Die Verpackung macht’s – Gedanken eines Erstwählers zur Bundestagswahl 2009

Also, das war’s dann. Meine erste Bundestagswahl. Eines Tages schneit ein hässlicher Zettel in unsympathischem Gelb ins Haus und ich darf daraus entnehmen, dass ich wählen darf. Nicht besonders einladend, nicht besonders übersichtlich und derart gestaltet, dass ich mir gut vorstellen kann, dass einige Menschen in diesem Land leidergottes schon die erste Hürde, die fehlende Motivation, aus diesem Behördendeutsch das richtige Procedere herauszufiltrieren, nicht nehmen werden und zu den vielbeklagten Nichtwählern wechseln.

Irgendwie habe ich mir als demokratiebegeistertes Kind das immer anders vorgestellt. Ehrwürdiger. Nicht wie eine Vorladung zu einem x-beliebigen Behördentermin. Ließt man den Wisch weiter durch, stellt man fest, dass das Ganze auch noch in einer Schule stattfinden soll. Nicht gerade ein Ort, an den man mit vollkommen ungemischten Gefühlen zurückkehrt. Noch dazu, wie das Häubchen aus (saurer) Sahne auf den viel zu trockenen Kuchen, in der Turnhalle. Gedanken an strenge Gerüche, proletenhaftes Gebaren der Menschen, die im sonstigen Unterricht nichts zu sagen hatten und Ungerechtigkeiten ausgehend von der eigentlichen “Vertrauensperson” Lehrer, die leider ein Problem mit ihrem Selbstbewusstsein hat.

Wahltag. Man bewegt sich, nachdem man den Rausch vom Samstag ausgeschlafen hat, irgendwann am Nachmittag in Richtung des besagten “Wahlbüros”. Schule. Turnhalle. Pappkabinen. Buntstift. Recyclingpapier. Schlechtgelaunte Wahlhelfer. Und irgendetwas fehlt. Die Ehrwürdigkeit der “ersten Bürgerpflicht”. Der durch viel Blut und Tränen erkämpfte Glamour der Demokratie. Eigentlich müsste da was sein, aber man sieht es nicht. Man spürt es nicht. Es zieht nicht. Gar nicht.

Man geht nach Hause. Das wars. Jede Kommunion ist, denke ich, aufregender. Eine Art Kommunion für Erstwähler – das wär’s. Das würde meinem Verständnis von Demokratie entsprechen. Es ist keine Bürgerpflicht, sondern ein “Bürgerehrung” zu wählen. Und so sollte es auch gehandhabt werden. Raus aus den Turnhallen rein in die schönsten Häuser der Stadt! Weg mit den Pappkabinen und angemessene Kleidung für Wahlhelfer! Etwas mehr Form für den Inhalt unserer Staatsform! Was gibt es immer für ein Gedöns zu viel unwichtigeren Anlässen…

Ich habe gewählt.